Paul Ehrlich (1854-1915)
Der großartige Serologe und Mediziner Paul Ehrlich hatte am 14. März 2004 seinen 150. Geburtstag, was die E.T.-Redaktion veranlasst, diesen Wissenschaftler in einer Kurzbiographie den E.T.-Lesern vorzustellen.
Am 14. März 1854 wird Paul Ehrlich im niederschlesischen »Strehlen« (heute »Strzelin« in Polen) als Sohn des jüdischen Likörfabrikanten und Lotterieeinnehmers Ismar Ehrlich und der Kaufmannstochter Rosa Weigert geboren.
Nach dem Medizinstudium 1877 in »Breslau« (heute »Wroclaw« ebenfalls Polen), Straßburg, Freiburg/Breisgau und Leipzig legt Ehrlich das Staatsexamen in Breslau ab. Er beschäftigte sich schon in seiner Schulzeit und während seines Medizinstudiums mit der Färbung mikroskopischer Gewebepräparate, auch seine Doktorarbeit in Leipzig schrieb er zu dem Thema. Bereits als Student tritt er mit der Entdeckung von Mastzellen im Bindegewebe hervor.
Nach seiner Promotion im Jahr 1878 wird er Assistent und Oberarzt an der Charité in Berlin. Dort schafft er mit der Einfärbung von Blutkörperchen die Grundlagen der modernen Hämatologie. Seine klinische Ausbildung und Habilitation in Berlin führte ihn schließlich zu Robert Koch, in dessen Institut er 1887 eintrat.
Zuvor heiratet er 1883 die Industriellentochter Hedwig Pinkus, mit der er zwei Töchter hat.
1884 wird Paul Ehrlich aufgrund seiner Erfolge in der Vitalfärbung mit dem Professorentitel ausgezeichnet. Er habilitiert sich 1887 im Fach Innere Medizin.
1891 beruft ihn Robert Koch an das neugegründete Institut für Infektionskrankheiten in Berlin. Ehrlich arbeitet hier an Untersuchungen zur Immunität.
Schon 1895 übernimmt Paul Ehrlich die Kontrolle der Arbeit am Diphtherieserum. 1896 wird er zum Direktor des neuen Königlichen Instituts für Serumforschung und Serumprüfung in Steglitz (Berlin) berufen.
Schließlich wird das Institut 1899 nach Frankfurt am Main verlegt und zum Institut für experimentelle Therapie ausgeweitet, wo sich Ehrlich der Krebsforschung und der Chemotherapie von Infektionskrankheiten zuwendet. Ab 1904 erhält er eine ordentliche Honorarprofessur in Göttingen.
Für seine Forschungen wird ihm 1906 am Frankfurter Institut das »Georg-Speyer-Haus für Chemotherapie« mit Hilfe von Stiftungsgeldern gegründet. Behrings Entdeckung des Diphterieserums inspirierte ihn dann zu seiner »Seitenkettentheorie«, die die Wirkungsweise des Serums erklärt und ermöglicht, den Antigengehalt genau zu messen. 1908 wird ihm für die Wertbestimmung des Diphtherieserums der Nobelpreis verliehen - doch seine größten Entdeckungen sollten erst noch folgen.
Im Jahre 1910 gibt ein Mitarbeiter Ehrlichs ein als »Salvarsan« bezeichnetes Mittel gegen die Frühstadien der Syphilis heraus. Es ist das erste spezifisch ursächlich wirkende Chemotherapeutikum. Die fachliche Kritik an dem Heilmittel wird mit antisemitischen Angriffen auf Ehrlichs Person verbunden.
1914 folgt seine Ernennung zum Ordinarius an der neuen Frankfurter Universität. Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs unterzeichnet Ehrlich den nationalistischen »Aufruf an die Kulturwelt«.
Am 20. August 1915 stirbt Paul Ehrlich in Bad Homburg.
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