Verbotene Pyramiden-Untersuchungen
Der Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, Professor Dietrich Wildung, kommentierte die Fernsehbilder des Weltwunders auf folgende Weise: »Die Zuschauer wurden an der Nase herumgeführt, weil es sich bei den Fernsehbildern überhaupt nicht um eine Live-Übertragung handelte. Bereits Tage zuvor nahm das Forschungsteam seine Untersuchungen vor und wiederholte diese lediglich bei der Fernsehübertragung. Im Grunde genommen sind wir alle verarscht worden!«
Überdies sagte Wildung, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dieser Aktion nur minimal seien. Die Erkundung des Inneren der Pyramide mit einer Minikamera sei genauso abgelaufen, wie Fachleute zuvor vermutet hätten: Aufgetaucht sei nur ein »stinknormaler Kalksteinblock, der den Rest des sicher unvollendeten Ganges blockiert«. Dahinter komme mit aller Wahrscheinlichkeit ein weiterer Hohlraum hervor, der seiner Ansicht nach ebenfalls nicht weiter bearbeitet worden ist. Der Ägyptologe Frank Steinmann von der Universität Leipzig empfand die Pyramidenuntersuchungen sogar als eine regelrechte »Lachnummer«, woraufhin dann auch Arens sagte, dass das ZDF seine Sendepartner auf die Vorwürfe gegen die Live-Übertragung unbedingt ansprechen werde. Was wurde im Fernsehen den Zuschauern wirklich präsentiert? Es handelte sich um eine relativ einfach durchgeführte Untersuchung, die weder Scharfsinn noch eine ausgeklügelte Logistik beanspruchte: die Forscher hatten beschlossen, innerhalb von nur zwei Stunden durch die Gantenbrink-Tür mit einem an den Roboter befestigten Bohrgewinde ein Loch zu bohren, um anschließend mit einem Kameraobjektiv durch die Öffnung hinter die Steinplatte zu blicken. Einige Stunden unmittelbar nach der Untersuchung kommentierte Rudolf Gantenbrink dieses Vorgehen wie folgt: »Ich plädierte dafür, den Verschlussstein anzuheben und keinen Bohrversuch zu unternehmen. Ich sagte Zahi Hawass noch im Juli 2002 auch welche Bedeutung der Schacht meiner Meinung nach hat. Wir verblieben so, dass die National Geographic Society mit mir Kontakt aufnehmen sollte. Das ist aber nie geschehen.« Das war allerdings nicht ungewöhnlich, denn Hawass hatte bereits Monate zuvor bei einer Presseerklärung sehr klar geäußert, dass »der Deutsche auf gar keinen Fall in das neue Projekt mit einbezogen werden würde«, obwohl Gantenbrink bis zur letzten Minute immer noch hoffte.
Das Vorgehen der neuen Forschungsgruppe ging sogar soweit, dass man den Münchener nicht einmal mehr als Entdecker des Verschlusssteins im Südschacht erwähnte, sondern mit dieser Ehre Hawass geschmückt wurde. Erst nach einer groß angelegten Internet-Petition wurde Rudolf Gantenbrink berücksichtigt und sein Name bei den Fernsehübertragungen, wenn auch nur kurz, dann doch noch erwähnt. Versuchten die verantwortlichen bei dem Projekt etwas zu verheimlichen? Der Produktionsleiter der »National Geographic Television and Movie«, Chris Sondreal, gab zu den aktuellen Schachtuntersuchungen höchst interessante Kommentare ab, die aber dennoch nicht alles restlos aufklären: »Wir wissen bislang nicht wirklich was sich auf der für uns immer noch unsichtbaren Seite des Verschlusssteins befindet, weil wir bei der Durchführung des Kameraobjektivs weder eine Schwenkvorrichtung besaßen, noch Spiegel einsetzen konnten, die uns das Innere der nicht sichtbaren Seite aufgezeigt haben. Es ist aber sehr gut möglich, dass auf der anderen Seite des Verschlusssteins die Stifte sich als Handgriffe zusammenfügen oder jeder Stift für sich genommen einen Handgriff bildet.«
Nach dem Einführen des Kameraobjektivs durch das Bohrloch und die etwa acht Zentimeter dicke erste Kalksteinplatte ist ein weiterer unbearbeiteter, roher Verschlussstein hervor getreten, der auf den ersten Blick unvollendet wirkt. Sollten wir es hier wie Dietrich Wildung annimmt, tatsächlich mit einem »unfertigen Schachtabschnitt« zutun haben, könnte die raue Bearbeitung des neuen Kalksteins seine Annahme durchaus bestätigen. Doch viel wahrscheinlicher ist es, dass die vor Ort tätigen Forscher bereits vor ihrem Bohrvorgang ganz genau wussten welcher Struktur sie begegnen würden. Es ist nämlich sehr unwahrscheinlich, dass ein nach heutigen Bedingungen arbeitender Archäologe mit blinder Wut einen Kulturgegenstand zerstört, von dem bis zu diesem Zeitpunkt weltweit ein einziges Exemplar bekannt war. Zumal in allen Untersuchungsberichten der Gelehrten immer wieder beteuert wird, dass sie vor ihrer Bohrung die Rückseite des Verschlusssteins nicht gekannt haben.
Schließlich hätte auf der Rückseite dieser Steinplatte auch ein Artefakt aus Kupfer oder einem anderen Metall angebracht sein können, von dem die Kupfergriffe die Halterung darstellten. So hätte eine unvorbereitete Bohrung möglicherweise ein einmaliges Zeugnis zerstört, dass Aufschluss über die wahren Bauherrn der Pyramide Auskunft gegeben hätte. Könnte es also sein, dass die Rückseite der Gantenbrink-Tür von den Ägyptologen für die Fernsehzuschauer vorsätzlich mit dem rauen Steinquader abgedeckt worden ist?
Auch wenn das zur Zeit nur Spekulation ist, spricht dennoch einiges für eine derartige Vorbereitung! Unabgesehen davon, dass durch die akkustischen Untersuchungen von Thomas Danley im Südschacht ein 9,14 Meter großer Hohlraum, und von Rudolf Gantenbrink eine 4 x 2 Meter messende statische Struktur nachgewiesen wurde, spricht auch der Bohrvorgang selbst für eine zuvor manipulierte Arbeitsweise der Gelehrten. Denn kein Archäologe würde eine mit Hängevorrichtungen versehene Wand durchbohren ohne zu wissen ob auf der anderen Seite möglicherweise ein kostbarer Gegenstand hängt, den man mit dieser Vorgehensweise schnell zerstören könnte. Es sei denn, man wusste vorher wo dieser Gegenstand auf der Rückseite hängen würde, damit der Bohrer an der richtigen Stelle angesetzt werden konnte. Auch die Weiterführung der Kupferseile, die an die Stifte führen ist ungeklärt geblieben: Die Kupferstifte ergäben nämlich überhaupt keinen nachvollziehbaren Sinn, wenn sie keine Verbindung zu einem möglicherweise vorhandenen Gegenstück tief im inneren des Pyramidenkörpers darstellen würden. Bereits aus den im Jahre 1996 durchgeführten Untersuchungen wusste man schließlich, dass dort wo einem Millionenpublikum bei der angeblichen Live-Vorführung der rau bearbeitete Verschlussstein gezeigt worden ist, sich in Wahrheit zwei weitere Schachtabschnitte in T-Form, 90 Grad teilen und weiter in den Pyramidenkörper verlaufen.
Von der Idee besessen, daß sich in der Großen Pyramide von Giseh neben den bekannten noch eine »unentdeckte« Kammer befindet die Aufschluß über ihr Geheimnis geben würde, suchten bereits Generationen von Forschern mit allen verfügbaren Mitteln nach diesem verborgenen Raum - bislang ohne scheinbaren Erfolg.
Selbst Hawass berichtete in Zusammenhang mit den Untersuchungen in der Umgebung der Sphinx, dass sich nicht nur dort unterirdische Schächte befinden, sondern auch in der Pyramide 210 Fuß (64,00m) lange Schächte wären, die sogar »zum Teil miteinander verbunden sind«. Wussten die Ägyptologen also tatsächlich schon vorher, wo sie den Bohrer ansetzen sollten? Wie wir in Kapitel 8 des weiteren sehen konnten, wusste Hawass bereits 1998 auch über einen »weiteren Raum« zu berichten, den er sogar beabsichtigte längst dem Publikumsverkehr zu öffnen. Leider ist diese Absicht zu keiner Zeit realisiert worden. Vermutlich berichtete aber der australische Ingenieur Robert Ballard 1976 über den selben Raum, der sich unterhalb der Vorkammer des Zugangs in die Königskammer befinden soll.
1998 war allerdings auch das Jahr, in dem die Große Pyramide über 17 Monate verschlossen gehalten wurde und im Inneren der Pyramide Untersuchungen mit Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt worden sind. Dabei könnte es durchaus passiert sein, dass man etwa 45 Zentimeter vor den Schacht einen weiteren Verschlussstein vorgesetzt hat. Zumindest Chris Sondreal meint: »Demnächst werden wir an dem bereits durchbohrten Block, ein anderes mit einer Spiegelvorrichtung versehenes Objektiv durch das Loch führen, um uns ein besseres Bild über die Rückseite zu machen. Das Sondreal den Zugang über die Caviglia-Bresche in seinem Bericht nicht erwähnt kann nur damit erklärt werden, dass er sie vermutlich wirklich nicht kennt. Sobald wir die verantwortlichen aber auf diese Zugänge und auf verbindliche Termine für die nächsten Untersuchungen ansprechen, hören wir immer das Selbe, was auch der Produktionsleiter von »National Geographic Television and Movie« zu erzählen hat: »Für die weiteren Untersuchungen müssen wir uns mit der SCA koordinieren und auf ihre Zustimmung warten. Auch einige Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten (USA) wollen sich zuvor an dem bisher gesammelten Material vergewissern, bevor sie die weiteren Forschungen genehmigen. Ich bin aber sehr optimistisch, dass wir die Arbeiten in den nächsten 12 Monaten fortsetzen werden, um viel mehr Geheimnisse zu lösen.«
Von welchen »vielen Geheimnissen« spricht Sondreal aber? Denn unseres Wissens existieren nach Ansicht der offiziellen Stellen in der Pyramide gar keine Geheimnisse! Und sollte es sich nach der Investition von über 250.000,- EURO tatsächlich nur um einen unfertigen Schacht handeln?
Rudolf Gantenbrink vertritt zu den Schachtuntersuchungen folgende Meinung: »Für mich war es eine Bestätigung dessen, was ich schon 1993 gesagt habe: Es kann sich nur um den Zugang zu einem Grabmal handeln.« Gantenbrink, der von Anfang an bei dem Verschlussstein von einem Porticulli-System ausgegangen war, sieht in den neuen Videobildern die Bestätigung darüber, dass wir an dieser Stelle die Vorrichtung zu einer neuen Kammer sehen. Aus dem Alten Reich sind derartige Blockierungssteine an Zugängen zu Grabkammern bekannt, die aus drei dicht hintereinander, an Rollen herabgelassenen Steinplatten bestanden. Ab dem Mittleren Reich wurden diese Fallverschlüsse seltener und durch schwerer zu öffnende Schiebesteine ersetzt. Die Porticulli in der Mastaba des Senwosretanch wurden von den Baumeistern extra mit Widerhaken versehen, um ein hochschieben zu verhindern. Allein deshalb wurden praktisch alle Porticulli von Grabräubern umgangen, hochgehebelt oder durchmeißelt. Für Verwirrung in Bezug auf die Porticulli-These sorgte schließlich Zahi Hawass, der am 23. September 2002 der internationalen Presse berichtete: »Wir haben erst vor kurzem einen weiteren, zweiten Steinblock im Nordschacht der Königinnenkammer entdeckt. Das habe ich zwar nach dem Studium der Untersuchungsberichte der Edgar-Brüder auch schon vorher vermutet, doch die offizielle Bestätigung und die Bekanntgabe der Pressefotos über den neuen Verschlussstein im Nordschacht gibt es nun schwarz auf weiß. Ist es dann wie Gantenbrink vermutet möglich, dass wir im Nordschacht ebenfalls den Stein eines Porticulli-Sytems sehen, der zu einer weiteren Grabkammer führt? Der amerikanische Archäologe Louis P. McCarthy hatte bereits 1907 nachvollziehbar dargelegt, dass sich nach seiner Überzeugung außer den bekannten, wenigstens noch drei weitere Kammern in der Großen Pyramide befinden müssen.
Nach seinen Untersuchungen lagen diese Kammern in der Höhe der 75., 100. und 120. Steinlage des Pyramidenkörpers. Ursprünglich wurde die Pyramide über 209 Steinlagen errichtet, von denen im Laufe der Zeit sieben als Baumaterial wieder abgetragen wurden. Erstaunlicherweise ist die 75. Steinlage genau die Höhe wo sich die 1993 und 2002 entdeckten, mit Kupferbeschlägen versehenen Verschlusssteine befinden. Eine übereinstimmende Bestätigung für diese Vermutungen bietet eine Abbildung in »Our Inheritance in the Great Pyramid« (1864) von Charles Peazzy Smith. Der Astronom zeigt in seinen Arbeiten zum erstenmal den Hinweis über ganzzahlige Bezugspunkte innerhalb der Großen Pyramide auf: Unter anderem weist er nach, dass die sogenannten Luftschächte in der Königskammer über die gleiche Austrittshöhe verfügen. Interessant ist zudem die Ebene des Fußbodens der Königskammer: Sie liegt exakt in der selben Höhe in der sich die Verschlusssteine befinden!
Schließlich hätte auf der Rückseite dieser Steinplatte auch ein Artefakt aus Kupfer oder einem anderen Metall angebracht sein können, von dem die Kupfergriffe die Halterung darstellten. So hätte eine unvorbereitete Bohrung möglicherweise ein unwiederbringbares Zeugnis zerstört, daß Aufschluß über die wahren Bauherrn der Pyramide Auskunft gegeben hätte. Könnte es also sein, daß die Rückseite der Gantenbrink-Tür von den Ägyptologen für die Fernsehzuschauer vorsätzlich mit dem rauhen Steinquader abgedeckt worden ist?
Chris Sondreal berichtet bezüglich der Entdeckung im Nordschacht: »Die Untersuchungen an dem Nordschacht haben uns mehr als überrascht: Nachdem wir einige Veränderungen an 'Pyramid-Rover' vorgenommen haben, ließen wir den Roboter in den Nordschacht fahren. Obwohl die störende Metallstange [der Edgar-brüder] immer noch im Schacht klemmte, konnten wir mit den an dem Roboter vorgenommenen Veränderungen dieses Hindernis bei 90 Fuß (27,43 m) mit einem kurzen ruck schnell überwinden. Mit einem plötzlich vorgenommenen Vorstoß von 5 Fuß (1,52 m), der lediglich eine Minute zeit beanspruchte, war der weg für den Roboter frei. Nach einem kurzen Stop mussten wir dann zwei etwa 60 fuß (18,23 m) um die große Galerie verlaufende Knickstellen überwinden. Bei der Streckenabschnittsmarkierung 150 Fuß (45,71 m) schien der Schacht wieder gerade zu verlaufen und ließ den Schluss zu, dass die Erbauer an dieser stelle eine Neuorientierung dieser Passage in nördliche Richtung vorgenommen haben. Bis 160 Fuß (48,76 m) verlief der Schacht sehr sauber als ob es niemals zuvor jemandem gelungen ist, in diesen bereich der Pyramide vorzudringen. Dann mussten wir bei 170 Fuß (51,81 m) feststellen, dass jeder der Schachtblöcke ein unterschiedliches aussehen besaß. Wir hielten den Roboter an jedem einzelnen block an, um es genau zu analysieren. Eine derartige Beobachtung konnten wir am Südschacht nicht feststellen, denn im Nordschacht waren die Blöcke nicht nur aus geologischer sicht unterschiedlich, sondern glänzten auch auf wundersame weise. Vermutlich trat irgendwo wasser aus, dass für das glänzen der Steinblöcke verantwortlich war. Wir beschlossen dann mit dem 'Pyramid-Rover' auf die Streckenabschnitte 180 und 190 Fuß (54,86 m und 57,91 m) zu fahren. Ab hier konnten wir innerhalb von Sekunden auf unseren Monitoren bereits den Verschlussstein des Nordschachts sehen, der ebenfalls mit zwei Kupferstiften versehen war. Von der ferne sah er wie die Blockierung des Südschachts aus. Doch nach dem wir bis auf 210 Fuß (64,00 m) vor diese Absperrung herangefahren waren, stellten wir schnell fest das sie nicht identisch waren. Zwar haben die Steintüren in etwa die gleichen Maße und bestehen vermutlich aus dem selben Gestein, aber die auf dem nördlichen Verschlussstein vorhandenen Kupferstifte sind dennoch anders gesetzt worden. Überdies ist es ganz offensichtlich, dass es sich bei dem material um Metall handelt. Die stifte im Nordschacht sind auch nicht oxydiert, sondern in einem sehr guten zustand. Nicht einmal eine leichte grüne Verfärbung an ihnen war mit der Kamera festzustellen. Der linke stift wirkte zudem so, als ob es nach dem einführen durch die steinplatte umgebogen worden ist und für diese geplante Handlung die Bauleute, eigens eine tiefer gelegene Einkerbung mit einem Meißel eingetrieben haben. Des weiteren wirken die Bohrstellen, wodurch die Kupferstifte führen so, als seien sie an einer etwa ein Zentimeter höheren stelle angesetzt worden als die Austrittslöcher am Südblock. Wir vermuten das an diesen stiften Halteseile befestigt waren, die von den Handwerkern als Orientierungshilfe benutzt wurden.«
Wie an dem Südschacht, so ist auch an dem Nordschacht eine technische Besonderheit auffällig: beide Verschlusssteine müssen danach von links nach rechts eingesetzt worden sein. somit liegt hier die Vermutung nahe, dass die Baumeister die »Einschiebetechnik« verwendeten. Daher ist der nach dem Bohrvorgang der Öffentlichkeit präsentierte neue Block völlig unlogisch platziert. dieser block wirkt eher so, als sei er von der anderen Seite wie ein Deckel vorsätzlich aufgesetzt worden, um die sicht nach dem weiteren Schachtverlauf zu versperren. Zahi Hawass meint zu der technischen Bearbeitung der Schächte: »Wir wissen nun, dass die Schächte nachträglich geplant worden sind, denn der Nordschacht wurde mit mehreren kurven gebaut, damit er die große Galerie nicht berührt.«
Auf die Frage, wie ein gewundener Schacht mit nur etwa 20 Zentimeter hohen Seitenwänden mit den damaligen Werkzeugen denn nachträglich eingebaut werden konnte, sagte Hawass: »Das wissen wir noch nicht!« Möglicherweise sei für die arbeiten extra ein Zugang geschaffen und später wieder verschlossen worden. Ein Zugang vielleicht den man längst kennt und dessen Existenz auch schon bis zu der E.T.-Redaktion vorgedrungen ist, so dass man die vorhandenen Kammern nun damit erklären will, indem man ein neues Gerücht in die Welt setzt. So soll es sich bei den Hohlräumen nicht um bereits vorher geplante Kammern handeln, sondern um Zugänge, über die erst zwei völlig sinnlos wirkende Schachtverläufe nach großen Anstrengungen gebaut werden konnten? Der Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo (DAIK), Günter Dreyer hält die Argumente von Hawass für ausgeschlossen: »Selbst mit heutiger Technik wäre das äußerst schwierig zu bewerkstelligen - ich bin sicher, dass die Schächte schon beim bau eingeplant worden sind.« Auch glaubt Dreyer, dass die zwei Kupfergriffe, die jeweils auf den beiden Verschlusssteinen im nord- und Südschacht angebracht sind, keine griffe sind, sondern daran einst symbolische Werkzeuge befestigt waren. Einig ist sich Dreyer mit seinen ägyptischen Kollegen dagegen in der frage der Bedeutung der beiden Schächte, die von der Königinnenkammer abgehen: »Hawass hat eindeutig recht, wenn er sagt, dass jeder neue Hohlraum und jeder Steinquader, der in der Cheops-Pyramide entdeckt wird, für die Wissenschaft hochinteressant ist.«
Nach Ansicht von Dreyer seien die deutschen Ägyptologen wie Steinmann und Wildung, bei ihrer meines Erachtens berechtigten Kritik und Kommentaren, zu weit gegangen. Schließlich sei die Untersuchung erst durch die TV-Einnahmen möglich geworden. Müssen wir uns nun deshalb die Informationen auf Raten gefallen lassen? Die E.T.-Redaktion meint nein! Zumal bei dem ganzen Rummel um die Pyramide viel zu viel Unsinn erzählt wurde.
Auf die Frage an Chris Sondreal von der amerikanischen Journalistin Linda Moulton Howe, ob denn auch an dem Nordblock eine Bohrung vorgenommen werde, antwortete er: »Zu diesem Zeitpunkt weiß ich wirklich noch nicht, was der Plan dort ist. Vermutlich werden wir zuvor den Blockierungsstein mit Radar untersuchen, damit wir schon vorher herausfinden können, um was für einen Gesteinskörper es sich bei dieser Tür handelt.
Erst so können wir mit Gewissheit davon ausgehen, dass wir sie nicht beschädigen wenn wir eine Bohrung vornehmen.«
Weshalb hatte man bei der Bohrung am Südblock aber dann keine Angst, es zu beschädigen? Tatsächlich gibt der Produktionsleiter unumwunden zu, dass es sich bei der Radaruntersuchung um ein schwieriges unterfangen handelt: »Wir können die Steinplatte lediglich mit dem »Remote-Sensing-Verfahren« untersuchen. Das uns zur Verfügung stehende Gerät kann aber nur durch 18 Zoll (ca. 45 cm) dicken Beton blicken.
Aus dem Südschacht wissen wir mit Bestimmtheit, dass wir es mit einem nur zwei bis drei Zoll (ca. 5 - 7,5 cm) starken Block zutun haben. Dem folgt dann ein etwa sieben Zoll (ca. 18 cm) langer Luftraum. Danach stellt sich uns ein weiterer roh bearbeiteter Block in den weg. mit dem »Bodendurchdringungsradar« sollten wir zumindest in der Lage sein, auch die Stärke des zweiten Blocks festzustellen, da wir mit dem Radar auch Lufträume durchdringen können.
Die Schwierigkeit ergibt sich allerdings daraus, dass wir die Messsensoren durch eine drei bis vier Zoll (ca. 7,5 - 10 cm) langes Bohrloch hindurch führen müssen, da die Sensoren den zu vermessenden Gegenstand direkt berühren müssen. Daher kommt eine andere Vermessungsmethode leider nicht in Betracht.«
Daraufhin zeigte sich Howe etwas durcheinander und kommentierte die Erklärung von Sondreal wie folgt: »Ich bin jetzt doch etwas verwirrt worden! Denn, wenn das Radar auf der Außenseite der ersten Tür verwendet worden ist, die 1993 entdeckt wurde: warum wurde vom Radar dann nicht gezeigt, dass es auch die zweite Tür, sieben Zoll (ca. 18 cm) jenseits der ersten gab?«
Sondreal sagte darauf: »Wir waren bei diesem Projekt, zumindest technisch wirklich in der Lage gewesen, vor der Bohrung ein Radarsignal auszusenden. Wegen der Gewichtstoleranz des Roboters und den hinderlichen Aufweg, war es uns leider aber nicht möglich das »Remote-Sensing-Verfahren« einzusetzen. sicherlich wäre es von Vorteil gewesen vor der Bohrung das Radargerät einzusetzen, aber nach einer Vielzahl von ausgaben für die Technik und weil wir beim Südschacht eine ziemlich überschaubare gerade Richtung vor uns hatten, haben wir das Experiment auch ohne Radar vollendet.«
Danach bedeutet diese Schilderung des Produktionsleiters, dass keiner der am Öffnungsprojekt des Verschlusssteins beteiligten forscher etwas über die Rückseite der Blockierung gewusst haben soll. Dabei hatte Rudolf Gantenbrink bereits 1993 das für die Öffnung der Blockierung benötigte technische »know-how« angeboten, und zwar eines ohne die Blockierung zu beschädigen. Weshalb hat man darauf zu keiner zeit zurückgegriffen, sondern die primitivere Vorgehensweise gewählt? Zumindest Chris Sondreal meint: »Weil allein die Antenne des Radargeräts etwa fünf zoll lang, und fünf zoll breit (ca. 12,5 x 12,5 cm) ist kommen wir damit gar nicht durch das zur zeit vorhandene Bohrloch. wir werden unsere Messergebnisse wohl so erzielen, indem wir den Sensor an die Oberfläche des ersten Steins drücken. Wir sind überzeugt das dieses verfahren uns ein richtiges bild über die Beschaffenheit des zweiten Steins und ihre umliegende Struktur verschaffen wird.«
Die Fortführung der arbeiten für die Rätsellösung, die für Dezember 2002 angesetzt waren, sind bis auf weiteres in die Zukunft verschoben worden. Zwar wurde der Zeitraum auf 12 Monate begrenzt, was aber nicht bedeutet, dass die Fortsetzung des Projekts einen wesentlich längeren Zeitraum beanspruchen wird. Zumal durch die merkwürdigen Ergebnisse inzwischen auch das öffentliche Interesse mehr als nachgelassen hat. Vielleicht ist der eine oder andere Mitarbeiter des letzten Projekts nach einem gewissen abstand bereit das eine oder andere detail der tatsächlichen Forschungsergebnisse bekannt zu geben. Doch, noch sind die Mitarbeiter voller Hoffnung auch an den künftigen Forschungen teilnehmen zu können, wie Sondreal bestätigt: »Es ist ein außerordentliches Privileg ein teil einer Mannschaft zu sein, die versucht, ein altes Puzzlespiel des Jahrtausends zusammen zu fügen.«
Erst wenn auch Anderen, die Erfahrungen Gantenbrinks widerfahren ist vielleicht mit mehr Informationen zu rechnen: an dieser stelle ist jedoch festzuhalten, dass selbst Rudolf Gantenbrink mit seinen Informationen in der Öffentlichkeit nach wie vor Zurückhaltung ausübt!
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